Herstellung: Unterschied zwischen den Versionen

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Poids carbone, composants du smartphone, rarete des metaux
 
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Die '''Herstellung''' eines IT-Geräts umfasst die Gewinnung der Rohstoffe, die Raffination der Metalle, die Fertigung der Bauteile und die Montage. Sie ist die Phase, die die meisten Umweltindikatoren des Lebenszyklus dominiert.
Die '''Herstellung''' eines IT-Geräts umfasst die Gewinnung der Rohstoffe, die Raffination der Metalle, die Fertigung der Bauteile und die Montage. Bei den meisten Geräten bestimmt sie die Umweltbilanz.


== Ihr Gewicht ==
== Ihr Anteil am Lebenszyklus ==


Nach den einschlägigen Arbeiten der Branche bündelt die Herstellung nahezu die gesamte Wirkung auf nicht lebende Rohstoffe, einen überwiegenden Anteil des Süßwasserverbrauchs sowie einen erheblichen Teil der Treibhausgasemissionen und des Primärenergieverbrauchs.
Nach den Arbeiten von Frédéric Bordage (GreenIT, 2019) entfallen über den gesamten Lebenszyklus auf die Herstellung die vollständige Wirkung auf abiotische Rohstoffe, 79 % der Wirkung auf Süßwasservorräte, 44 % der Treibhausgasemissionen und 35 % des Primärenergieverbrauchs.


Ein Rechner von zwei Kilogramm bewegt mehrere hundert Kilogramm Mineralien. Diese stammen häufig aus Ländern, in denen der Bergbau Böden, Luft und Gewässer belastet.
Der Anteil hängt vom Gerät ab. Bei einem Smartphone beziffert die französische Umweltagentur ADEME die Herstellung auf etwa drei Viertel des [[CO₂-Fußabdruck|CO₂-Fußabdrucks]] über die Lebensdauer. Bei einem Notebook fällt der Anteil niedriger aus, bleibt aber überwiegend. Bei einem über Jahre stark ausgelasteten Server nähert sich der Betriebsstrom an, überholt die Herstellung jedoch selten vor dem Austausch.


== Die praktische Folge ==
Diese Zahlen stammen aus Studien mit unterschiedlichem Zuschnitt. Sie sind Größenordnungen, keine Konstanten.


Wenn die Herstellung dominiert, dann ist das entscheidende Kriterium nicht der Stromverbrauch des Geräts, sondern '''die Zahl der Jahre, in denen es genutzt wird'''. Die Lebensdauer eines Notebooks zu verdoppeln halbiert seine jährliche Wirkung nahezu, ein Ergebnis, das keine Energieoptimierung erreicht.
== Die CO₂-Schuld wird im Voraus bezahlt ==


Daraus folgt die Rangfolge der [[Nachhaltige IT|nachhaltigen IT]]:
Die Emissionen der Herstellung entstehen, bevor das Gerät zum ersten Mal eingeschaltet wird. Jedes weitere Nutzungsjahr teilt diese Schuld anschließend durch eine größere Zahl.


# nicht kaufen;
Die Lebensdauer eines Notebooks zu verdoppeln halbiert seinen jährlichen Fußabdruck annähernd. Kein Effizienzgewinn im Betrieb erreicht ein vergleichbares Ergebnis. Deshalb wiegt '''die Zeit, die ein Gerät im Einsatz bleibt''', schwerer als sein Energielabel.
# wiederaufbereitet kaufen;
# den vorhandenen Bestand länger nutzen;
# erst dann den Verbrauch optimieren.


== Ein blinder Fleck der Messungen ==
== Woraus ein Smartphone besteht ==


Die Kennzahlen von [[Rechenzentrum|Rechenzentren]] erfassen ausschließlich die Nutzungsphase. Die Herstellung der Server erscheint in keiner von ihnen. Ein Rechenzentrum mit hervorragendem PUE kann einen erheblichen Fußabdruck haben, wenn es seine Hardware rasch erneuert.
Ein Smartphone von etwa 150 Gramm bewegt in der Größenordnung von 70 Kilogramm Rohstoffen, überwiegend Gestein, das beim Bergbau bewegt und wieder verworfen wird.
 
Das Gerät vereint zwischen 50 und 60 verschiedene Metalle aus weiten Teilen des Periodensystems:
 
* '''Rahmen und Gehäuse''': Aluminium, Magnesium, Titan;
* '''Elektronik''': Kupfer, Gold, Silber, Palladium, Tantal in den Kondensatoren;
* '''Akku''': Lithium, Kobalt, Nickel, Graphit, Mangan;
* '''Display''': Indium für die transparente leitfähige Schicht sowie mehrere Seltene Erden für die Farbdarstellung;
* '''Magnete, Vibrationsmotor und Lautsprecher''': Neodym, Praseodym, Dysprosium.
 
Viele davon liegen in Bruchteilen eines Gramms vor. Genau das macht ihre Rückgewinnung schwierig.
 
== Knappheit und Abhängigkeit ==
 
Die Knappheit ist hier selten geologisch. Sie ist wirtschaftlich, technisch und geopolitisch:
 
; Konzentration der Lieferketten
: die Europäische Union führt 34 kritische Rohstoffe, davon 17 als strategisch eingestuft. Bei mehreren liefert ein einziges Land den Großteil der Weltproduktion, und die Raffination ist noch stärker konzentriert als der Abbau.
; Abbaubedingungen
: Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo und Tantal aus Coltan tragen dokumentierte soziale und ökologische Kosten, von handwerklichem Bergbau bis zur Finanzierung bewaffneter Konflikte.
; Rückgewinnung, die ausbleibt
: das Umweltprogramm der Vereinten Nationen stellte fest, dass von 60 untersuchten Metallen 34 eine Recyclingquote am Lebensende unter 1 % aufweisen. Ein Metall, das in Milligramm vorliegt und mit anderen legiert ist, lässt sich technisch zurückgewinnen, wirtschaftlich aber nicht.
 
Die praktische Folge: Recycling wird das Versorgungsproblem dieser Metalle nicht lösen. Nur längere Nutzung und Weiterverwendung verschieben die nächste Förderung.


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==


* [[Ökobilanz]] · [[Lebensende]] · [[Geplante Obsoleszenz]] · [[Kreislaufwirtschaft]] · [[Rechenzentrum]]
* [[Lebensende]] · [[CO₂-Fußabdruck]] · [[Ökobilanz]] · [[Kreislaufwirtschaft]] · [[Digitale Suffizienz]] · [[Verantwortungsvolle Digitalisierung]]


[[fr:Fabrication]]
[[fr:Fabrication]]
[[en:Manufacturing]]
[[en:Manufacturing]]
[[es:Fabricación]]
[[es:Fabricación]]
[[nl:Fabricage]]

Aktuelle Version vom 6. August 2026, 18:48 Uhr

Die Herstellung eines IT-Geräts umfasst die Gewinnung der Rohstoffe, die Raffination der Metalle, die Fertigung der Bauteile und die Montage. Bei den meisten Geräten bestimmt sie die Umweltbilanz.

Ihr Anteil am Lebenszyklus

Nach den Arbeiten von Frédéric Bordage (GreenIT, 2019) entfallen über den gesamten Lebenszyklus auf die Herstellung die vollständige Wirkung auf abiotische Rohstoffe, 79 % der Wirkung auf Süßwasservorräte, 44 % der Treibhausgasemissionen und 35 % des Primärenergieverbrauchs.

Der Anteil hängt vom Gerät ab. Bei einem Smartphone beziffert die französische Umweltagentur ADEME die Herstellung auf etwa drei Viertel des CO₂-Fußabdrucks über die Lebensdauer. Bei einem Notebook fällt der Anteil niedriger aus, bleibt aber überwiegend. Bei einem über Jahre stark ausgelasteten Server nähert sich der Betriebsstrom an, überholt die Herstellung jedoch selten vor dem Austausch.

Diese Zahlen stammen aus Studien mit unterschiedlichem Zuschnitt. Sie sind Größenordnungen, keine Konstanten.

Die CO₂-Schuld wird im Voraus bezahlt

Die Emissionen der Herstellung entstehen, bevor das Gerät zum ersten Mal eingeschaltet wird. Jedes weitere Nutzungsjahr teilt diese Schuld anschließend durch eine größere Zahl.

Die Lebensdauer eines Notebooks zu verdoppeln halbiert seinen jährlichen Fußabdruck annähernd. Kein Effizienzgewinn im Betrieb erreicht ein vergleichbares Ergebnis. Deshalb wiegt die Zeit, die ein Gerät im Einsatz bleibt, schwerer als sein Energielabel.

Woraus ein Smartphone besteht

Ein Smartphone von etwa 150 Gramm bewegt in der Größenordnung von 70 Kilogramm Rohstoffen, überwiegend Gestein, das beim Bergbau bewegt und wieder verworfen wird.

Das Gerät vereint zwischen 50 und 60 verschiedene Metalle aus weiten Teilen des Periodensystems:

  • Rahmen und Gehäuse: Aluminium, Magnesium, Titan;
  • Elektronik: Kupfer, Gold, Silber, Palladium, Tantal in den Kondensatoren;
  • Akku: Lithium, Kobalt, Nickel, Graphit, Mangan;
  • Display: Indium für die transparente leitfähige Schicht sowie mehrere Seltene Erden für die Farbdarstellung;
  • Magnete, Vibrationsmotor und Lautsprecher: Neodym, Praseodym, Dysprosium.

Viele davon liegen in Bruchteilen eines Gramms vor. Genau das macht ihre Rückgewinnung schwierig.

Knappheit und Abhängigkeit

Die Knappheit ist hier selten geologisch. Sie ist wirtschaftlich, technisch und geopolitisch:

Konzentration der Lieferketten
die Europäische Union führt 34 kritische Rohstoffe, davon 17 als strategisch eingestuft. Bei mehreren liefert ein einziges Land den Großteil der Weltproduktion, und die Raffination ist noch stärker konzentriert als der Abbau.
Abbaubedingungen
Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo und Tantal aus Coltan tragen dokumentierte soziale und ökologische Kosten, von handwerklichem Bergbau bis zur Finanzierung bewaffneter Konflikte.
Rückgewinnung, die ausbleibt
das Umweltprogramm der Vereinten Nationen stellte fest, dass von 60 untersuchten Metallen 34 eine Recyclingquote am Lebensende unter 1 % aufweisen. Ein Metall, das in Milligramm vorliegt und mit anderen legiert ist, lässt sich technisch zurückgewinnen, wirtschaftlich aber nicht.

Die praktische Folge: Recycling wird das Versorgungsproblem dieser Metalle nicht lösen. Nur längere Nutzung und Weiterverwendung verschieben die nächste Förderung.

Siehe auch